Guten Satz bemerken Leser selten, schlechten Satz bemerken sie, auch wenn sie nicht sagen können, was falsch ist. Wenige Fehler sind für das meiste verantwortlich.
Alle gehören zur Seite, nicht zum Manuskript. Sie entstehen, wenn der Text auf Seiten verteilt wird, verschieben sich, sobald sich davor etwas ändert, und lassen sich nicht allein durch Änderungen am Wortlaut beheben.
Hurenkinder und Schusterjungen
Die beiden Begriffe werden oft verwechselt. Ein Schusterjunge bleibt unten zurück, ein Hurenkind steht allein oben.
…und als der Brief ankam, war das Haus bereits verkauft, und genau das hatte niemand erwähnt.
Der nächste Morgen war klar und
unerklärlich.
Er steckte den Brief zurück in den Umschlag, legte ihn zu den anderen ins Regal und sah ihn die ganze Woche nicht mehr an.
Ein Schusterjunge ist die erste Zeile eines Absatzes, die allein am Fuß einer Seite steht. Ein Hurenkind ist die letzte Zeile eines Absatzes, die allein oben auf der nächsten Seite steht.
Das Hurenkind ist der schwerere Fehler, besonders als einzelnes kurzes Wort: Eine Seite, die mit „unerklärlich.“ beginnt, sieht wie ein Druckfehler aus. Üblich sind mindestens zwei Zeilen auf jeder Seite des Umbruchs, und viele Verlage wollen außerdem eine ausreichend volle letzte Zeile.
Abhilfe. Die Absatzkontrolle eines Textverarbeitungsprogramms lässt eine Seite eine Zeile kürzer. Im Buch ist es besser, eine Zeile von der vorigen Seite zurückzuholen, eine Zeile nach vorn zu schieben oder beide gegenüberliegenden Seiten gemeinsam eine Zeile kürzer zu setzen. Wer die Wortabstände zusammendrückt, ersetzt nur einen Fehler durch einen anderen.
Gassen
Eine Gasse ist ein heller Kanal, der durch einen Absatz im Blocksatz läuft, weil die Wortabstände aufeinanderfolgender Zeilen übereinanderliegen. Sie entsteht, wenn Abstände gedehnt werden, typischerweise in einer schmalen Spalte im Blocksatz ohne Silbentrennung. Schalten Sie die Silbentrennung ein, verbreitern Sie die Spalte oder setzen Sie den Text im Flattersatz.
Wer die Silbentrennung abschaltet, damit der Text ordentlicher aussieht, erreicht das Gegenteil: In einer Spalte von 4 Zoll im Blocksatz werden die Wortabstände auf jeder Seite gedehnt.
Lockere und enge Zeilen
Eine lockere Zeile hat sichtbar größere Wortabstände als die Zeilen um sie herum, eine enge Zeile kleinere. Fließtext soll aus einiger Entfernung gleichmäßig grau wirken, und eine einzige lockere Zeile stört das.
Abhilfe. Brechen Sie den Absatz als Ganzes um. Ein Textverarbeitungsprogramm füllt eine Zeile nach der anderen, deshalb zahlt jede folgende Zeile für einen frühen schlechten Umbruch. Ein Satzsystem wägt alle Umbruchmöglichkeiten des Absatzes ab und wählt die insgesamt beste. Dabei wird manchmal eine Zeile etwas schlechter, damit die nächsten vier besser werden.
Trennstriche untereinander
Drei oder mehr aufeinanderfolgende Zeilen mit Trennstrich lassen den rechten Rand wie eine Leiter aussehen. Im Buch sind zwei die übliche Grenze, in einer schmalen Spalte werden drei toleriert. Schlechter ist ein Trennstrich in der letzten Zeile einer Seite, sodass das Wort erst nach dem Umblättern endet. Viele Verlage vermeiden das.
Eine kurze letzte Zeile
Eine letzte Zeile mit einem einzigen kurzen Wort reißt ein Loch in die Seite. Beim Redigieren lässt sich das leicht beheben, danach nur schwer. Deshalb wird ein Buch erst gesetzt, wenn der Text feststeht. Traditionell soll die letzte Zeile länger sein als der Absatzeinzug, damit sie nicht wie ein neuer Absatz aussieht.
So sehen Sie diese Fehler selbst
Auf dem Bildschirm sind sie nicht zu sehen. Auf Papier gehen Sie so vor:
- Drucken Sie zwanzig Seiten aus der Mitte des Buches, wenn möglich beidseitig, in 100 % Größe. Ein Buch im Format 6 × 9, das auf A4 mit „An Seite anpassen“ gedruckt wird, erscheint etwa ein Viertel größer, und damit ändert sich jedes Maß.
- Betrachten Sie die Seiten auf Armlänge, damit Sie die Textur des Satzes sehen statt der Wörter.
- Achten Sie auf helle Kanäle, auf Zeilen, die heller oder dunkler sind als ihre Nachbarn, und auf einzelne Zeilen oben oder unten auf einer Seite.
- Vergleichen Sie die Seiten mit einem gedruckten Buch, das Ihnen gefällt.
Das dauert zehn Minuten, und kein Werkzeug kann es Ihnen abnehmen.
Was Torcul dagegen tut
Der Innenteil wird von einem Satzsystem gesetzt, das jeden Absatz als Ganzes umbricht, mit Silbentrennung in der Sprache des Buches. Hurenkinder, Schusterjungen und kurze letzte Zeilen werden bestraft, deshalb verschiebt das System lieber eine Zeile, als eine allein stehen zu lassen.
Bei jedem Setzen wird danach das fertige PDF geprüft, und die verbleibenden Fehler werden neben der Seitenanzahl gezählt. Absätze werden an ihrem Erstzeileneinzug erkannt, Kolumnentitel und Seitenzahlen bleiben unberücksichtigt. Ein wissenschaftliches Buch mit 96 Seiten, gesetzt aus einer echten Abschlussarbeit:
| Fehler | Anzahl | Pro Seite |
|---|---|---|
| Hurenkinder | 2 | 0,02 |
| Schusterjungen | 1 | 0,01 |
| Kurze letzte Zeilen | 41 | 0,43 |
| Am Seitenende getrennte Wörter | 9 | 0,09 |
Die Werte sind nicht null. Zwei Hurenkinder auf sechsundneunzig Seiten sind ein sauberes Ergebnis. Die meisten der einundvierzig kurzen letzten Zeilen stammen von langen türkischen Wörtern in einer schmalen Spalte. Trennungen über das Seitenende sind der einzige Fehler, den das Satzsystem nicht vermeiden kann. Deshalb werden sie gemeldet, nicht behoben.
Dieselbe Auswertung läuft in der kostenlosen Druck-PDF-Prüfung, für Dateien aus jedem Programm, auch aus Word, Vellum und Atticus. Sie brauchen kein Konto, und nichts wird hochgeladen.
Diese Fehler verschieben sich, sobald sich davor etwas ändert. Die Zahlen eines Buches sagen deshalb nichts über ein anderes. Jedes Setzen meldet die Zahlen für Ihr Buch.